Der erste Stolperstein vieler Vorhaben ist das Fehlen einer klaren Vision bzw. eines klaren Ziels. Auch wenn das Ziel vermeintlich klar ist, lohnt es sich immer eine Retrospektive mit der Feststellung des Ziels zu beginnen. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  1. Falls kein gemeinsames Bewusstsein eines Ziels oder einer Vision vorhanden war wird dies zu Beginn der Retrospektive klar. Missverständnisse, die den weiteren Verlauf behindern könnten, werden früh ausgeräumt. Sollte das in der Retrospektive befindliche Vorhaben wenig erfolgreich gewesen sein, ist mit dem Fehlen des gemeinsamen Bewusstseins eine Ursache gleich zu Beginn gefunden. Es bleibt dann nur zu klären ob tatsächlich keine Vision (Ziel) vorhanden ist oder ein Kommunikationsproblem vorliegt.

  2. Ist eine Vision, ein gemeinsames Ziel vorhanden wird diese zu Beginn der Retrospektive nochmals explizit verbalisiert, ein Hauch von Wir-Gefühl entsteht. Damit ist ein positiver Einstieg in die Retrospektive gelegt.

Die Wahl der Fragen und die Methodik (jede(r) hat begrenzte Redezeit, der Rest hört zu) sind bewusst gewählt um jeden Teilnehmer in die Ich-Perspketive zu führen. Wichtig für eine Retrospektive ist, dass möglichst viele ihre eigenen Wahrnehmungen einbringen. Mutmaßungen und Interpretationen sollten so lange wie möglich außen vor bleiben.

Plattform steht, Verein ist noch Baustelle

Kernteam Vorstellung konkretisiert, Anforderungen dokumentiert, Kernteam hat sich gefunden, Selbständigkeit im Kernteam, Plattform steht, Produktivstart ist erfolgt

Plattform aufgebaut, Content befüllt, Selbstständigkeit

Sichtbarkeit und Bewegung wurde erreicht, Staub aufgewirbelt, Aufmerksamkeit, Plattform und Community

Plattform und Community, Stabiles Kernteam

Erwartungen waren niedrig, eher Hoffnung, dass Plattform bereit steht

im Prinzip das was passiert ist.

deutlich niedrigere Erwartiungen, Umfang ist deutlich höher, Erhalt des Teams

Erwartung wurden übertroffen, Sichtbarkeit ist die positive Überraschung, Inhalte eher noch zu wenig, mehr erwartet.

Möglichst schnell eine Basis aufzubauen, die diese Kommunikation ermöglicht und viele Interessierte anzieht.

Verein ist noch nicht gegründet, ansonsten aber voll erfüllt.

bin im Großen und Ganzen zufrieden

unterscheidet sich eigentlich nicht von der Erwartung

, Idee selber entwickeln stand im Raum.

  • Ich hätte mir gewünscht, daß wir heute mehr Leute auf der Plattform hätten und das ganze schneller angegangen worden wäre. Wir haben viel Zeit in die Plattform gesteckt, weniger in das Marketing für die Idee.

  • Mehr aktive Leute wäre auch ganz schön. Ist interessant zu beobachten, daß selbst unsere KTler in "ihrem" Blog veröffentlichen.

Das Ziel einer Retrospektive ist immer eine Veränderung (oder Stabilisierung) des Handelns der Gruppe, dementsprechend  ist das Identifizieren von positiven UND negativen Aspekten sehr wichtig. Nur so ist eine konstruktive Retrospektive möglich. Die Suche nach "hilfreichen" und "hinderlichen" Aspekten sollte durch Fragen geleitet und minimal methodisch unterstützt werden. Eine mögliche Methode ist die klassische Karten-Pinwand-Arbeit mit unterschiedlich gefärbten Karten. Alternativ können stattys eingesetzt werden, die sich bei Bedarf eleganter umsortieren lassen. Um einen Zeitrahmen einhalten zu können ist es hilfreich, dass die Zahl der Aspekte, die jede(r) schreibt oder nennt begrenzt wird. Ggf. kann die Regel ausgegeben werden, dass nicht nur Positives bzw. nur Negatives genannt werden darf. Damit wird jede(r) gezwungen auch über nicht offensichtliche Aspekte nachzudenken.

Es lohnt sich die hinderlichen Aspekte zu differenzieren. In einem Gebet heißt es: "Gib mir die Kraft Dinge zu ändern, die ich ändern kann, gib mir die Geduld Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit beides voneinander zu unterscheiden". In diesem pragmatischen Sinn lohnt es sich zu unterscheiden um die Konzentration auf die veränderbaren Dinge zu richten.

Die beeinflussbaren Punkte liefern in den Regel den Input für die guten Vorsätze der Zukunft.

Das ist der konstruktive Kern der Verhaltensänderung. Dieser liefert zugleich den Input für die Einstiegsfragen der nächsten Retrospektive.

Hier steckt immer auch eine Prise gegenseitiges Schulterklopfen mit drin. Die methodische Reihenfolge der Punkte ist wichtig. Nach der Auseinandersetzung mit hinderlichen Aspekten und den Vorsätzen für die Zukunft tut es gut zum Schluss nochmals den Blick auf die positiven Aspekte zu lenken um mit einem guten Gefühl zu schließen. Gerade bei schwierigen, wenig erfolgreichen Projektphasen wird die gefahr verringert, dass die Teilnehmer das Gefühl "nichts richtig gemacht zu haben" mitnehmen.